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Vom Lästern

Geht gar nicht! - oder got gar ned, der Lieblingstext von vielen, die sich grad über die Taten, Gewohnheiten oder Aussagen von Nachbarn, Ehemännern, Flüchtlingen oder nicht anwesenden Freunden auslassen. Das Gespräch macht keinen Halt – am allerwenigsten vor Abwesenden. Es gibt keine Chance, sich zu wehren oder zu rechtfertigen. Da geht es gar nicht, was diese oder jene Person gesagt oder getan hat, oder dass sie schon wieder …. Oder dass sie noch nicht und überhaupt.. Manchmal – ganz selten - geht es ja um wirklich wichtige Dinge, die gar nicht gehen, halt aber aus einem uns nicht bekannten Grund einfach so sind. Manchmal wäre es gut, sich nach einer Begründung zu erkundigen, anstatt ein got gar ned zu platzieren. Got gar ned!

Wer ist denn das, oder wer meint er oder sie zu sein, die oder der sagt, was geht, respektive eben nicht geht? Und damit bin ich mitten drin im Lästern, Werten und Bewerten. Keinen Deut besser als die bewertende Mehrheit. Got gar ned - über Abwesende sprechen sollte eigentlich verboten sein. Alle tun’s. Leider. Und alle wissen, dass man es nicht tun würde, das Lästern.
8.17

Metamorphose

Frühjahr 2017 - Grippe ist angesagt. Noch nie habe ich so viele Grippebetroffene erlebt, die seit Wochen (!) mit der Grippe beschäftigt sind. Auch mich hat es erwischt. Das erste Mal überhaupt in meinem Erwachsenenleben - und ich bin nicht mehr jung! - lag ich wegen einer Erkältungsgrippe tagelang flach.

Nach den langsam abgeklungenen Erkältungssymptomen (nach fast vier Wochen) plagt mich immer noch ein Husten und neu eine Augenlidentzündung, die mich kranker aussehen lässt als ich bin. Innerlich fühle ich mich bereit und stark genug um wieder loszufliegen - ein bisschen wie ein Schmetterling nach der Metamorphose. Doch lässt sich das (Grippe)Kleid nur schwer abstreifen - es bremste mich in den letzten Wochen immer wieder. Die nicht wirklich freiwillige Ruhephase liess mir viel Zeit zum Nachdenken. Ich durfte nicht losfliegen, sondern musste immer wieder auf mich hören – im wahrsten Sinne des Wortes. Durch starken Ohrendruck überschlugen sich Geräusche und schnell war es mir zu laut. Was ich hingegen sehr gut wahr nahm: Mich selbst. Meine Stimme, meinen Atem. Und wenn ich mich körperlich übernahm oder Lautstärke ausgesetzt war, klopfte der Puls bedrohlich laut in meinen Ohren.

Ich spürte: ich muss etwas in meinem Leben ändern. Ja ändern, nicht nur anpassen, anpassen ist ein zu schwaches Wort. ICH MUSS NEUE WEGE GEHEN. Wege, die sich mir immer wieder ein bisschen zeigten, mir aber bisher der Mut fehlte, sie zu beschreiten. Und nun, in der Metamorphose, wird plötzlich deutlicher, wohin es mich zieht und was ich nicht mehr will wie es ist. Dieser Weg wird eine Herausforderung und die Gefahr ist gross, wieder im bisherigen Alltag zu landen. Mein Ziel ist, besser auf mich zu hören, mir noch mehr Zeit für jene Dinge zu nehmen, die mir so viel geben im Leben: Malen. Gestalten. Schreiben:). Kurse organisieren. Meditieren. Mich im Aussen als Kreative zeigen. Dazu muss ich in erster Linie vollständig zu mir stehen können, meine Zeit gezielter nutzen und Prioritäten anders setzen. Das heisst (leider!) auch, öfters mal NEIN sagen und gewisse Menschen, so gern ich sie habe, seltener zu treffen. Damit mir Raum und Zeit für meine persönlichen, wirklich wichtigen Dinge bleibt.

Meine Vision: Wenn alle Grippebetroffenen die Chance der Metamorphose wahrnehmen und von Herzen gewillt sind, in ihrem Leben zu Dinge so zu verändern, dass sie mehr sich selbst sein können, fliegen bald viele zusätzliche Schmetterlinge am Himmel. Schmetterlinge, die sich dank genug Zeit und Raum darauf besonnen haben, was ihnen wirklich guttut, was sie in Liebe und Frieden mit sich und ihrer Umwelt leben lässt.

Ja, es ist eine Vision. Meine eigene, persönliche Vision, die umzusetzen viel Ausdauer, Mut, Dranbleiben, bei mir bleiben bedingt. Wenn ich das schaffe, schaffen andere das auch. Wenn andere das schaffen, schaffe ich das auch. Wagen wir uns gemeinsam an diese Herausforderung, freuen uns über jeden Fortschritt und bewundern jeden neuen Schmetterling am Himmel!
3.17

Pünktlich zu früh

Der heutige Tag fing früh an. Zehn Minuten vor der abgemachten Zeit, 06.40 Uhr, traf Claudia ein. Da ich die beste und längste meiner lieben Freundinnen kenne, war ich natürlich schon bereit zur Abfahrt. Die ersten zehn Jahre unserer Freundschaft hätte meine längste Freundin nun 15 Minuten auf mich wartend verbracht, bis ich fünf Minuten nach der vereinbarten Zeit Abfahrt bereit gewesen wäre. Die nächsten zehn Jahre hat sie bei ihren obligaten zehn Minuten zu früh immer noch zehn Minuten auf mich gewartet - obwohl ich endlich langsam pünktlich wurde. Die letzten fünf Jahre versuche ich meine Pünktlichkeit bei ihr noch um fünf Minuten zu verbessern, und heute waren es gar zehn Minuten, die ich zu früh bereit war. Ja, seit 25 Jahren wartet die treue Freundin bei fast jeder Abmachung auf mich. Hätten wir uns in diesen 25 Jahren zweimal im Monat getroffen – was durchaus hinkommt, wartete Claudia 100 Stunden auf mich – mehr als zwei Arbeitswochen!

Bei dieser Warterei und meinem schlechten Gewissen gegenüber meiner Freundin musste ich meine Pünktlichkeit schon ein bisschen verbessern. Jeder nicht so pünktliche Mensch weiss, dass das eine riesige Herausforderung für mich gewesen sein musste. Es gab immer etwas zu tun, die zehn Minuten hatte ich immer sinnvoll zu nutzen gewusst. Mal war es noch schnell Schuhe putzen, noch schnell die Wäsche abnehmen oder aufhängen, das Telefon klingelte gerade oder mit dem Hund noch Gassi gehen und ein paar Streicheleinheiten geben, das Katzeklo noch sauber gemacht werden oder eines der Kinder brauchte etwas. Alles musste «noch schnell» erledigt werden und ich konnte mir unmöglich vorstellen, mehr als zwei Arbeitswochen im Auto sitzend zu warten. Dazu hatte ich schlicht keine Zeit. Meinte ich. Doch es wurde auch nachdem Hund und Katz uns verlassen haben und die Kinder grösser wurden nicht besser.

Bis ich durch Claudia die Qualität des Wartens kennen lernen konnte. Irgendwann begriff ich, dass ich die Wäsche auch noch zwei Stunden länger hängen lassen kann, dass ich die Schuhe schon eine Stunde vor der Abfahrt putzen könnte oder dass ich mich rechtzeitig aufbrezeln könnte. Dass ich ein Telefon klingeln lassen kann und irgendwann zurückrufe. Dass ich, während ich dann warte, auch mal ganz tief ein- und ausatmen könnte. Und dass Warten etwas Schönes ist. Irgendwann habe ich das begriffen. Man kann wundervoll nachdenken und merken, wie wertvoll eine Freundin ist, die mir die Augen für die achtsamere Wahrnehmung öffnet, die ohne Murren immer (über-)pünktlich und zuverlässig da ist und die zwei volle Arbeitswochen auf mich wartend verbringt. Das ist ja eine enorme Wertschätzung für mich, dass sie so lange gewartet hat.

Anstatt «noch-schnell» lernte ich, Prioritäten zu setzten. Aus meinem anfänglichen «dazu-habe-ich-schlicht-keine-Zeit» ist ein «Juhui- ich-habe-fünf-Minuten-Zeit-für-mich» geworden. Geht auch so. Einfach entspannter.
9.17

Blühendes Vertrauen

Blühendes Vertrauen
Dass Vertrauen wachsen kann, ist bekannt. Doch wo etwas wachsen soll, muss ein Samenkorn liegen, eingebettet in die Erde, versorgt mit genügend Wasser und der Zuwendung der Sonne. Wer oder was ist der Samen des Vertrauens? Der Samen ist jener Teil, den ich mit auf die Welt erhalten habe und der in meiner Kindheit gelegt wird. Oder den ich mir im Laufe des Lebens erarbeite. Es gibt nicht nur den einen Vertrauenssamen, sondern hunderte mögliche Samen, die sich mehr oder weniger entwickelt haben. So wie es verschiedene Arten von Vertrauen in Dinge, in Menschen, in höhere Mächte, in mein persönliches Können, Tun und Handeln, in mein Selbst gibt, gibt es verschieden entwickelte Stadien des Vertrauens.

Bei vielen Frauen könnte das Selbstvertrauen besser entwickelt sein. Oder das Vertrauen in den Partner und in die könnte Kinder grösser sein. Oder vielleicht mangelt es überhaupt am Grundvertrauen ins Leben? Sobald es irgendwo an Vertrauen mangelt, können sich Ängste breitmachen. Oft ist es möglich, dieser Angst auszuweichen. Will ich mich ihr jedoch stellen, muss ich Vertrauen schaffen. Schaffen tönt nach Arbeit und das ist es auch. Arbeit in und an meinem Inneren mich dadurch stärken.

Manchmal stelle ich mir eine Schneckenhausartige Höhle vor, wohin ich mich jederzeit zurückziehen kann. Der Rückzug in mein Inneres ist die Erde für den Vertrauenssamen. Dann beginnt die Arbeit: Der Samen muss gehegt, gepflegt, gegossen und mit Sonne versorgt werden. Doch wie mache ich das ganz konkret? Wo ist mein persönliches Schneckenhaus? Mit Ruhe, Meditation oder Gebet gelange ich in das Schneckenhaus, in meinen wunderbaren persönlichen Rückzugsort. Je öfter und je lieber ich mich dort aufhalte, umso besser kann ich mein Vertrauen beim Wachstum unterstützen. Je grösser und stärker das Vertrauen wird, desto geringer ist die Gefahr, dass es mir jemals genommen werden kann.

Wenn sich die Vertrauenssamen entwickeln und teilweise erblühen, wachsen aus meinem Schneckenhaus zauberhafte, unwirkliche, riesige Blumen. Ich kann das Schneckenhaus jederzeit verlassen und durch den zauberhaften Wald schreiten. Ich habe die Möglichkeit, direkt aus dem Vertrauen heraus zu gehen. Durch das starke Innenleben kann ich vertrauensvoll im Aussen leben. Die Ängste lösen sich auf.

Wenn sich die Blüten öffnen, wird es danach neue Samen geben, die sich wiederum zu wundervollen Blumen oder blühenden Bäumen entwickeln. Das Vertrauen ist gestärkt und erblüht. Was im Inneren blüht, strahlst du nach aussen aus. So ein blühendes starkes Vertrauen wünsche ich dir und mir. Und herzerwärmenden Sonnenschein. Denn was unser Herz wärmt, stärkt uns: Liebe, Familie, Freundschaft, Freunde treffen, Feste feiern, Musik hören, Malen etc. Let the Sunshine in. Schaffe blühendes Vertrauen, Lebe.
3.17

Mit Ausdruck beeindrucken

Mit Ausdruck beeindrucken und ausdrücken

Mein Drucker druckt aus, ich drücke (mich) aus. Uns beide, den Drucker und mich, unterscheiden bloss zwei kleine Punkte auf dem «u». Gemeinsam ist dem Drucker und mir, dass genau jenes ausgedruckt (-drückt) wird, was ich in Auftrag gebe. Der Drucker erledigt diese Aufgabe in der Regel – ich kenne auch anderes! - einwandfrei. Meine Haltung, mein Gesicht, mein Schreibstil, meine ganze Erscheinung drücken ebenfalls genau aus, was ich gewollt oder ungewollt «in Auftrag» gegeben habe. Ich drücke mich IMMER aus, bei allem was ich sage und tue, auch wenn ich nichts sage, nichts tue. Meine Gedanken und meine Gefühle geben den Auftrag für den Ausdruck über Haltung, Mimik, Gestik. In meinem ganzen Leben bin ich dauernd dran, mich auszudrücken. Diese Aufgabe erledige ich garantiert sicherer als mein Drucker. Denn Ausdruck ist ein MUSS des Menschen, eine Lebensaufgabe. Babys verleihen ihren Gefühlen Ausdruck durch Weinen oder Lächeln, später auch durch Sprache – und irgendwann durch Malen.

Ohne mir dessen bewusst zu sein, also Unbewusst gebe ich mir Ausdruck. Ich kann meinen Ausdruck auch bewusst steuern; mit meiner Kleidung, meiner Frisur und selbstbewusstem Auftreten kann ich mich selbst ausdrücken und mich ins «richtige» Licht rücken. Was ich ausdrücken möchte, kann etwas sein, was ich unter Umständen gar nicht bin; ich bin ich ja viel mehr als mein Äusseres. Und wer bin ich denn eigentlich im Innersten? Was davon und wie will ich das, was ich bin, ausdrücken? Je besser ich mich kenne und je genauer ich weiss, welche Gefühle mich gerade bewegen, umso deutlicher kann ich mich ausdrücken, um so bewusster wird das Unbewusste. Ich weiss wer ich bin. Und das zeigt sich dann in den verwendeten Worten, in meiner Haltung, in meinem Gesicht, in meiner Kleidung, in meinem Mal- oder Schreibstil. Je bewusster ich meine Gedanken und alle meine Gefühle wahrnehme, desto präziser entspricht mein Ausdruck meinem bewussten «Auftrag».
Genau das passiert auch beim Malen: Sich über Form und Farbe auszudrücken ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Ich befriedige dieses Bedürfnis nach Ausdruck und Kreativität, nehme dabei verschiedene Gefühle wahr und drücke sie auf dem Papier aus. Das gibt mir Klarheit und ich lerne mich besser kennen. Unbewusstes wird bewusst, und ich kann auf dem Papier schon mal Lösungsstrategien entwickeln, wie ich damit umgehen kann oder will, oder ich merke, was mir eigentlich wichtig wäre.

Ist mein Inneres und mein Äusseres übereinstimmend, hinterlasse ich bei meinem Gegenüber mit Sicherheit den gewünschten Eindruck. Ich beeindruckeJ. Mein Gegenüber kann irritiert sein, wenn mein innerer und äusserer Ausdruck nicht übereinstimmen. Der Ausdruck entspricht dann nicht meinem gewünschten Eindruck, den ich geben möchte, also «Druckauftrag» nicht richtig gegeben. Durch überarbeiten kann ich das glücklicherweise verändern. Überarbeiten ist, wie es das Wort sagt, mit Arbeit verbunden. Wie ich das angehen möchte steht mir frei: Soll mein äusserer Ausdruck dem inneren angepasst werden, oder muss ich an meinem Inneren arbeiten, damit mein Ausdruck als übereinstimmend wahrgenommen wird?
Zudem streikt mein Drucker manchmal. Fehlt die Farbe, verweigert er mir die Weiterarbeit und wartet auf die Ersatzpatrone. Ebenso bei Papierstau, da wollte zu vieles auf einmal ausgedruckt werden – Drucker ausschalten, Papier entfernen, wieder herauffahren. Und manchmal verliert er die W-Lan Verbindung zum Computer – der Ausdrucksauftrag wird einfach nicht ausgeführt. Leider unterscheidet dies den Menschen vom Drucker: Wir Menschen übergehen unsere fehlende Farbe im Leben; wir Menschen arbeiten oft weiter, auch wenn wir uns eigentlich gar nicht mehr ausdrücken mögen; wir Menschen funktionieren einfach weiter, auch wenn wir die Verbindung zum PC (unserem Innenleben!) verlieren. Der Drucker hat zwar keinerlei Gefühle (meines Wissens), aber er weiss sehr gut, wann er nicht weiterarbeiten kann und menschliche Zuwendung braucht. Manchmal ist so ein gefühlloser Drucker näher bei unseren Gefühlen als wir Menschen…
2.17